Oct 08, 2019 07:04 Europe/Berlin
  • Unermüdlichkeit und Epos zum erneuten Arbain  

Es ist wieder Zeit für die Pilgerwanderung und die Audienz bei einem Menschen, der in der Geschichte die Standhaftigkeit gegenüber Unterdrückung, die Forderung nach der Wahrheit und den Edelmut verewigte. 

 

 

 

Der Pilgerbesuch ist der beste Weg um eine Verbindung zu den großen Wegweisern Gottes herzustellen. Ibn Schabbah schreibt im 9. Jahrhundert nach Christus  in seinem Geschichtswerk Tarich ul Madinat-ul Munawar, dass Prophet Mohammad (Gottes Segen sei auf ihm)  nach der Eroberung von Mekka auf der Rückkehr nach Medina das Grab seiner Mutter Amina besucht und gesagt hat: „Dies ist das Grab meiner Mutter. Ich habe Gott gebeten, dass ich ihr Grab besuche und er hat es für mich so eingerichtet.“

 

Einige Gelehrte sind fest  davon überzeugt, dass ein Pilgerbesuch Seele und Körper stärken.  Denn die Motivation zum Pilgern kommt aus dem Herzen und ist eine Mischung von Zuneigung und Erkenntnis.  Der Wille des Menschen wird in eine bestimmte Richtung gelenkt. Der Mensch  gewinnt innere Ruhe und wird zugleich einsatzfreudig. Sowohl innere Ruhe als auch der Eifer gehören zu den Notwendigkeiten des Lebens. 

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Die Propheten und Imame sind vor Gott Beispiele für den idealen Menschen und Gott liebt sie am meisten.  Sie sind in der Burg  des Glaubens und in der Nähe zu Gott und Gott hat sie von jeder Sünde und jedem Fehler freigehalten.

Die Ehrung dieser großartigen Persönlichkeiten festigt die Verbindung des Pilgers zu diesen Wegführern  der Religion und  veranlasst ihn zur Fortsetzung des Weges dieser Auserlesenen. Die heiligen Ruhestätten der Unfehlbaren Imame waren immer schon in der Geschichte der Schiiten ein Ort der Vereinigung und Zentrum für Wissen und Verbreitung der Religion. Sie waren Ausgangspunkt für Proteste und Bewegungen und den Zusammenschluss zu Revolutionen.  In unmittelbarer Nähe zu den Ruhestätten dieser Edlen sind die großen Theologischen Zentren im irakischen Nadschaf und im iranischen Qum und Maschhad entstanden. 

                     

Zum vierzigsten Trauertag für Imam Husain (F) haben sich mehrere Millionen Menschen eifrig auf den Weg nach Kerbala im Irak gemacht, wo der Fürst der Freiheitsliebenden der Welt ruht. Erst suchen sie die Ruhestätte des Fürsten der Gläubigen, Imam Ali (F) in Nadschaf auf und verbünden sich erneut mit ihm und dann machen sie sich zu Fuß auf den Weg nach Kerbala. Auf der Straße von Nadschaf nach Kerbala bewegen sich Scharen von Menschen. Links und rechts der Straße hat die einheimische Bevölkerung Zelte oder Stände für die Einkehr der Pilger aufgebaut und dort werden die Pilger kostenlos bewirtet und können sich ausruhen.   Diese kleinen Pilger-Einkehrstätten heißen Mawkib. Am Rand der Straße nach Kerbala  stehen auf den Laternenpfählen  Nummern. Der Abstand zwischen zwei Pfählen, die Amud genannt werden, beträgt 50 m. Diese Nummern geben die Zahl der bereits in Richtung Kerbala  zurückgelegten 50 m an.  Der erste Pfahl trägt die Ziffer 1 und der letzte die Nummer 1452 – er steht an der Ruhestätte des Abu-l Fadhl , des Bruders Imam Husains (Friede sei beiden.

 

Seit einigen Tagen schon ist viel Betrieb an den Grenzen nach Irak und auf den Straßen in Richtung der Heiligen Stätte Imam Husains (F). Einige Pilger haben schon vor Monaten für die Teilnahme an diesem Pilgerzug geplant. Am meisten ist auf der Straße von Nadschaf bis Kerbala los.  Die Anhänger des Imams sind zu Fuß auf dem Weg nach Kerbela – einige laufen barfuß. Man hört die Pilger  rufen: Labaik ya Husain – Husain du hast mich gerufen und ich habe auf deinen Ruf gehört und bin gekommen.  

Keine Fahrzeuge dürfen in dieser Zeit  diese Straße von Nadschaf nach Kerbala benutzen. Meistens dauert es zu Fuß 3 Tage bis nach Kerbala.

In einem Wort von Imam Sadiq (F) aus dem Hause des Propheten heißt es: „Der Besuch am Grab Imam Husains (F) ist bei Gott das beliebteste Werk.“

 

 

Scheich Mufid, Scheich Tusi und Alameh Hilli , drei große islamische Gelehrten haben geschrieben: Der 20. Safar – Arbain – ist der Tag an dem die Hinterbliebenen Imam Husains aus der Gefangenschaft in Schaam kommend auf dem Weg nach Medina waren (und in Kerbela eintrafen).  Außerdem ist es der Tag, an dem Dschabir Ibn Abdullah Ansari, ein Gefährte des Propheten Gottes (Gottes Segen sei auf ihm und seinem Hause) von Medina aus nach Kerbela kam, um das Grab Imam Huseins (F) zu besuchen.“

Auf dem Weg nach Kerbela denken die Pilger an das große Unrecht, welches der Familie des Propheten angetan worden ist. Die 40 Tage –von Aschura bis zum 20. Safar - sind ein düsterer Abschnitt in der Geschichte des Islams, aber sie erinnern auch an den tapferen Widerstand gegenüber den Feinden des Islams  und an die Aufklärung über Recht und Wahrheit und schließlich an den endgültigen Sieg. In Wahrheit haben ja die Märtyrer von Aschura gesiegt,  denn der Bevölkerung gingen die Augen auf und sogar im Regierungszentrum des Yazid,  der Propagandazentrale der Umayyaden,  begann das Volk diese Herrscher, wegen des  Unrechts, welches sie der Prophetenfamilie angetan hatten, zu verwünschen.

                     

Während wir Fuß vor Fuß auf dem Weg nach Kerbela setzen, staunen wir über die Unermüdlichkeit, mit der die irakischen Gastgeber ihre Dienste anbieten. Einer lädt die Pilger ein, sie sollen in sein Haus einkehren und sich bewirten lassen. Ein kleines Mädchen fleht uns geradezu an, von den Datteln zu essen, die sie den Pilgern schenken möchte. Einige Meter weiter  hat ein Schuster seine Bürsten und Schuhcreme bereitgestellt, um kostenlos die verstaubten Schuhe der Pilger zu putzen.  Überall begegnest du Freundschaft und Brüderlichkeit. Dieses Stück Land scheint abseits von allen Gewalttaten  und furchtbaren Verbrechen des 21. Jahrhundert zu liegen. Dieses Gebiet, das am Aschura-Tag, dem 10.Muharram 61 nach der Hidschra voller Tränen und Trauer war, ist heute Ort eines prächtigen Zusammentreffens von fest entschlossenen einmütigen und eifrigen Menschen.

Damals versuchten die Umayyaden mit allen Mitteln die Wahrheit von Aschura zu vertuschen, damit die Bevölkerung nichts über die Schlacht von Kerbala erfährt. Ähnlich wie die heutigen  gewaltsamen Mächte war ihre Lügenpropaganda voll im Gang und sie schufen eine Atmosphäre, in der die Bedeutung des Geschehens von Aschura verloren gehen musste. Doch wurde die  Erinnerung an das Heldenepos von Kerbela recht bald  durch die Hinterbliebenen Imam Husains (F) wiederbelebt. Im gleichen Maße wie der Einsatz Imam Husains und seiner Helfer auf dem Wege Gottes ein schwieriges Vorhaben war, im gleichen Maße war auch die Anstrengung seiner Schwester Zainab (F) und seines Sohnes Imam Sadschad (F) bei  Übermittlung der Botschaft Imam Husains  groß , aber sie haben den Aufstand von Aschura verewigt.

Nun – nach vielen Jahrhunderten ist  hier – in Kerbala, der Name Husains in aller Munde.  Muslime und Christen, Schiiten und Sunniten trauern Seite an Seite um Imam Husain und zeigen aller Welt mit dieser Einmütigkeit,  dass diese große Zusammenkunft aus Liebe zu Imam Husain stattfindet. Jung und Alt lieben Imam Husain. Wir sehen viele ältere Menschen an dem Fußmarsch teilnehmen und sehen auch wie junge Menschen ihnen helfen.

Vor Ort wird uns immer mehr bewusst, warum dieser größte Fußmarsch der Islamischen Welt  jedes Jahr noch prächtiger wird.

Wer hätte gedacht, dass über ein Jahrtausend nach der Tragödie von Aschura Millionen von Freunden Imam Husains das Banner in Erinnerung an seine Unterdrückung hochhalten und jedes Jahr am 40. Trauertag nach seinem Märtyrertod  aus allen Richtungen in dieses Gebiet, das an so viel Leid erinnert, herbeieilen.

Sie alle sind gekommen um ein Trost zu sein für Zainab, die Schwester Imam Husains, Tochter von Imam Ali(F). Sie war  40 Tage nach der Trennung von ihrem Bruder, in Kerbala eingetroffen  um am Grab dieses Auserlesenen Gottes sich das Geschehen von  Aschura wieder zu vergegenwärtigen. Auch die Pilger denken an jenen Tag,  an dem einer der edelsten  Geschöpfe Gottes zum Märtyrer gemacht wurde. Sie haben nicht die Worte des Propheten Gottes über Husain vergessen, nämlich: „Husain ist von mir und ich bin von Husain!“

 

Wir sind beim letzten Pfahl mit der  Nummer 1452 angelangt. Es liegt ein  Fußmarsch von vielen Kilometern hinter uns. Eine riesige Menschenmenge ist versammelt und wir lassen uns von ihr mitnehmen zu  Bain-e Haramain  dem breiten Weg zwischen den Schreinen der beiden opferbereiten Brüder -  – Imam Husain und Abu-l Fadhl (Friede sei mit ihnen). Aus den Lautsprechern an den Eingängen zur Heiligen Ruhestätte erklingt das Pilgergebet zu Arbain.

Ich erinnere mich an ein Wort von Imam Hasan Askari (F).  Er  hat gesagt  dass ein gläubiger Mensch sich durch mehrere Dinge auszeichnet. Eines davon ist die Verlesung des Pilgergebetes zu Arbain.

Ich lasse meinen Tränen Lauf. Die Hand auf dem Herzen stehe ich da und stimme in das Pilgergebet zu Arbain mit ein.

-السلامُ علی وَلیِّ الله و حبیبه؛

Friede sei dem Statthalter und dem Freund Gottes

 

-السلامُ عـَلی خلیلِ اللهِ وَ نجیبه؛ سلام و درود بر خلیل و گزیده خدا.

Friede sei dem Freund und Auserwählten Gottes

 


- السلامُ علی صَفیِّ اللهِ و ابن ِ صَفیّـه؛

 

Friede sei dem Auserlesenen Gottes und dem Sohn des Auserlesenen Gottes

 

 

- السلامُ علی الحُسین ِ المظلوم الشهید؛ درود بر حسین مظلوم شهید.

Friede sei Husain, dem großes Unrecht geschah und der zum Märtyrer wurde


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