Aug 10, 2020 04:54 Europe/Berlin

In den letzten 6 Monaten hat für alle Menschen auf der Welt aufgrund der Corona-Pandemie ein neues Leben begonnen. Wir müssen uns leider langsam an den Nasenmundschutz gewöhnen und es heißt dass wir besser zuhause bleiben und uns einen Film anschauen sollten, anstatt uns mit anderen zu treffen. Was nützt uns  in dieser Situation ein Spielfilm?

 

 

Die amerikanische Autorin Dahlia Schweizer hat 2018  ein Buch mit dem Titel „Viral werden: Zombies, Viren und das Ende der Welt“ herausgegeben.  Darin hat sie darauf hingewiesen, dass der Mensch trotz aller politischen Vorfälle und Kriege in vielen Ländern eine ungewöhnliche Sicherheit genießt. 

Sie schreibt auch,  dass trotz all der Nachrichten  in den Medien über Krieg und Katastrophen ein großer Unterschied zwischen den Medienberichten und der Realität vorliegt. In ihrem Buch zeigt sie gelungen den Zusammenhang zwischen Filmen und den verschiedenen Zuständen auf der Welt auf. Sie schreibt:  Die Medien und insbesondere das Kino  schüren Angst und Schrecken und rufen eine düstere  Vorstellung von der Zukunft der Welt hervor.  

                  

 

 Vielleicht ist die Erzeugung von Angst und Schrecken in einem Film ein Weg für uns Menschen, uns damit  abzufinden, dass wir als Lebewesen verletzbar und gefährdet sind. In den Hollywood-Filmen insbesondere in den Endzeitfilmen geht es jedenfalls öfters darum, dass ein gefährlicher Virus oder ein gefährliches Wesen aufgrund eines menschlichen Versehens oder absichtlich überall zu wüten beginnt.

Grundsätzlich stellt Hollywood die Endzeit als etwas Schreckliches dar. In den meisten Hollywoodfilmen verläuft die Endzeit nicht glücklich, sondern muss sich die Menschheit gegenüber einem oder mehreren fremden Wesen verteidigen. Oft sind es Wesen von anderen Planeten. In einer besonderen Gruppe von Endzeitfilmen geht es um die Verbreitung eines tödlichen Virus, sowie medizinische und genetische Entdeckungen, um künstliche Viren, die als biologische Waffen dienen sollen oder um außerirdische unbekannte Wesen, die Viren unter den Menschen verbreiten.  In den meisten Filmen dieser Art bleiben jedoch wissenschaftliche Tatsachen unbeachtet. Sie fallen der Dramatik der Filmgeschichte zum Opfer. 

Ein allmählicher Tod in Folge der Infizierung mit einem Virus eignet sich thematisch nicht für ein Drehbuch. Daher erleben wir, dass der mysteriöse tödliche Motaba-Virus in  dem Film „Outbreak“ (Ausbruch) von 1995 innerhalb von nur wenigen Tagen seine Opfer tötet, dies sogar ohne Ausnahme.  

Es gibt tatsächlich Viren, die schon in wenigen Stunden jemanden in den Tod schicken, aber wenn ein Virus seinen Gastwirt bereits innerhalb eines Tages tötet, geht es auch mit ihm selber zugrunde und damit schrumpft die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Viruserkrankung zu einer Pandemie wird.

Selbst der rascheste Virus braucht zu seiner Etablierung und Vermehrung eine Inkubationszeit von mindestens mehreren Tagen und die Krankheit dauert ebenso mehrere Tage oder eventuell Monate.  Das Tempo, mit denen in Hollywood-Filmen Viren zum Tod führen ist also schon mal  nicht realistisch.

                

Nicht jeder stirbt nach Ansteckung mit einem Virus. Gemäß den Angaben der Weltgesundheitsorganisation  beträgt die Todesrate beim Corona-Virus 2 Prozent der Infizierten, während eine Grippeerkrankung bei 0,1 Prozent der Fälle tödlich verläuft. Es gibt in der Realität viel gefährlichere Viren t wie Ebola, ein  Virus der in ca. 40 Prozent aller Fälle zum Tode führt. Aber selbst gemessen an dieser Todesrate stellen die Hollywood-Filme über die Tödlichkeit von Viren weiterhin eine klare Übertreibung dar.

Im Durchschnitt dauert ein Spielfilm circa 2 Stunden. Das ist zeitlich zu wenig um eine Vorstellung von der Welt in der Endzeit zu liefern. Der Filmregisseur muss sich daher über die  wissenschaftlichen Tatsachen hinwegsetzen, um  das Filmgeschehen zu beschleunigen. In dem Endzeit-Horror-Thriller „28 Tage später“ werden wir somit Zeuge dass ein tödlicher Virus innerhalb von weniger als einem Monat zu einer Pandemie führt.

Bei den  Hollywoodfilmen liegt eine seltsame Vorliebe auch dafür vor,  die Ansteckung von Krankheiten zu beschleunigen, wie im obigen und weiteren Filmen,  wo jeder sofort mit dem jeweiligen Virus infiziert wird.

In Wirklichkeit dauert es viel länger, bis eine Infektionskrankheit zu einer Pandemie heranwächst und bislang hat noch nie ein Virus die ganze Welt vernichtet.  Gemäß dem US-Institut CDC  (Zentren für die Kontrolle und Prävention von Krankheiten)  hat die Grippeepidemie im Jahre 1918 ungefähr ein Jahr gedauert  und der HIV-Virus ist seit Jahren unter Kontrolle. Selbst die Pest  ist innerhalb von 4 Jahren zu Ende gegangen. Sie war verheerend, hat aber nicht zur Vernichtung der Weltbevölkerung geführt. 

                           

In den Hollywoodfilmen scheint einerseits ein einfacher Nasenmundschutz für Chirurgen zu genügen, um sich nicht mit einem gefährlichen Virus anzustecken, und andererseits darf diese Maske auch nicht eine Sekunde lang gelüftet werden, da dies angeblich  hundertprozentig die  Ansteckung und den Tod zur Folge hat.

 Der Spezialist für Infektionskrankheiten Doktor William Schaffner  von der Vanderbilt Universität im US-Bundesstaat Tennessee erklärt, dass Masken, die wirklich vor den winzigen Viren schützen, so dicht sind, dass das Atmen enorm erschwert wird. Er fügt hinzu, Chirurgenmasken könnten in  der Praxis nicht ein Eindringen von in der Luft suspendierten Viren verhindern. Mit einer solchen Maske könne man nicht gefahrlos  in einem überfüllten Krankenhaus herumlaufen.

 

In einigen der Endzeitfilme über gefährliche Viren sind Ärzte und Forscher zwar besser gegen Ansteckung gewappnet, aber dennoch gibt es viele andere Fehler in diesen Filmen, die gegen wissenschaftliche Erkenntnisse verstoßen, zum Beispiel dass jemand ohne sich desinfiziert zu haben ein Infektionszimmer verlässt und sich in die normalen Räumlichkeiten begibt.

                      

Ein weiteres Problem in den Horrorfilmen Hollywoods über tödliche Epidemien besteht in der Darstellung der Bekämpfung von Viren. Normalerweise wird in diesen Filmen eine ganze Stadt von einem gefährlichen Krankheitserreger überfallen und eine große Anzahl von Menschen fällt ihm zum Opfer. Die wenigen Hinterbliebenen versuchen zu fliehen und kämpfen um ihr Leben. Und was ist dann zum Beispiel der schnellste Weg für ein Happy Ende? Die Antwort lautet „Zauberblut“.

 

Wer es nicht glaubt, schaue sich den Film „Ich bin Legende“ an. In diesem Film tötet ein Virus  90% der Weltbevölkerung und verwandelt  den Rest von 588 Millionen in vampirische Kannibalenmutanten. Der einzige Überlebende ist ein Arzt, der anscheinend immun gegenüber diesem Virus ist. Er beginnt aus seinem eigenen Blut einen Impfstoff zu entwickeln. Nach wissenschaftlichen Erkenntnisse ist dies aber gar nicht möglich und kann eine genetisch bedingte Sicherheit nicht übertragen werden. Der menschliche Körper muss erst von einem Virus befallen worden sein, um Anti-Körper zu bilden.  Sollten wir annehmen dass es möglich wäre einen solchen Impfstoff herzustellen, wäre ohnehin eine große Menge an Blut erforderlich.  Das Blut von einem einzigen Menschen würde gar nicht reichen. Auch in dem Film  „Die heiße Zone“ ist die Menge, die an Blut und Plasma für die  Behandlung von Virus-Erkrankten eingesetzt wird, wissenschaftlich gesehen zu gering.

 

In vielen Hollywoodfilmen gewinnt man übrigens den Eindruck Viren würden intelligent vorgehen. Zum Beispiel in dem Film „World War Z“ behauptet der Held des Filmes dass die Viren sich keine schwachen Gastwirte aussuchen würden. 

                      

Schließlich  sei noch am Ende unserer dreiteiligen Beitrages „Corona und die neuen Zeiten“  erwähnt, dass Corona auch einige gute Seiten hat. Von der Verbesserung der Umweltbedingungen bis zur Verbesserung der zwischenmenschlichen Beziehungen. Natürlich sind viele Familien in Schwierigkeiten geraten aber viele haben auch eine größere Solidarität mit den Mitmenschen  verspürt und ihre Hilfsbereitschaft gesteigert.  Die Menschen werden nach Abklingen der Pandemie anders auf die Welt schauen und Psychologen sind der Ansicht, dass sie optimistischer und geduldiger als vorher sein werden.

 

Bis dahin sollten sich alle an das Gesundheitsprotokoll halten. Wir leben nicht in einem Spielfilm und wir sind auch keine Schauspieler. Also machen wir uns einerseits nichts vor und lassen wir uns andererseits auch  nicht von Stress und Angst beherrschen. Wir müssen die neuen Umstände akzeptieren und versuchen die Zukunft auf bestmögliche Weise so zu gestalten, dass sie der Gesundheit aller Menschen dienlich ist.

Das Leben geht weiter. Machen wir  das Beste daraus.

 

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