Jul 19, 2021 06:21 Europe/Berlin

Heute geht es noch einmal  um Corona. Diesmal um die Folgen dieser Pandemie für alle Kinofans. Es ist der letzte Teil dieser Sendereihe. 

 

 

 

          

Alle Kinos haben unter Corona gelitten. Tausende haben ihren Job verloren und viele Kinobetreiber sind bankrottgegangen. Nicht nur die Kinosäle wurden wegen Corona verriegelt, sondern auch Festivals fanden nicht statt. Der Weltmarkt und die Wirtschaft der einzelnen Länder haben auf dem Markt für Kulturprodukte große Einbußen zu verzeichnen gehabt.

 

Laut Bericht der Indischen Industrie- und Handelskammern  ging das Einkommen auf dem Sektor Medien und Unterhaltung in diesem Land im vergangenen Jahr, 2020, aufgrund der Probleme durch Ausbruch von Covid 19 um 24 Prozent zurück. Auch die Einkünfte des Fernsehens aus der  Werbung sank um 13 Prozent.  Viele Kinobetreiber können in diesem Land, das für seine zahlreichen Kinofans bekannt ist, selbst die Strom- und Wasserrechnung nicht mehr begleichen, geschweige denn die Pacht bezahlen.

Auch in Iran kam die Filmindustrie jäh zum Stillstand und musste riesige finanzielle Verluste hinnehmen. Gemäß statistischen Angaben sind ungefähr 8000  Personen in dieser Industrie im Iran beschäftigt und gemäß inoffiziellen Angaben sind es sogar zehntausend.  Viele von ihnen haben ernsthafte Einkommensprobleme.  Monatelang waren die Kinos geschlossen und wenn sie geöffnet wurden, war die Zahl der Kinobesucher sehr spärlich.

Auch Hollywood hat wegen Schließung der Kinos im vergangenen Jahr schwere Verluste verzeichnet. Im Jahre 2019 hatte das Hollywood-Kino in Nordamerika noch ein Einkommen von 11 Milliarden 400 Millionen Dollar, aber 2020 waren es nur zwei Milliarden und 280 Millionen. Das bedeutet einen Rückgang von 80 Prozent. Die Filmstudios sind in einer schwierigen finanziellen Lage.

Wegen Corona wurden weltweit viele Kinoprojekte eingestellt. Und die Erstvorführung  von Filmen aus dem Jahre 2020 wurde auf das laufende Jahr verschoben. Doch im Jahre 2021 ist die Situation für die Produzenten der Filmwerke noch kritischer geworden.

 

Selbst wenn heute alle Kinos auf der Welt wieder öffnen würden, was natürlich gar nicht denkbar ist,  und selbst wenn sie dann ihren früheren Erfolg erzielten , wird Covid 19 mehr als man denkt, die Filmkunst noch jahrelang beeinträchtigen.  In den wenigen zurückliegenden Monaten haben sich die Kinos und Filmstudios dermaßen verschuldet, dass sie längere Zeit nur kleinere Schritte machen können und sich darauf konzentrieren müssen, ihre finanzielle Lage zu verbessern.

Auf der Webseite der Nachrichtenagentur Associated Press hat der Kinokritiker Jake Coyle in einer Notiz wie folgt geschrieben:

„Die Zeitung New York Times wurde am 10. Oktober 1917, als die zweite Welle der tödlichen Spanischen Grippe ausbrach,  mit der Schlagzeile „Bis Ende der Influenza wird es keinen neuen Film geben“ herausgegeben. Ein Jahrhundert später, befindet sich die Filmindustrie nach Ausbruch einer anderen Pandemie in einem sensiblen Zeitabschnitt; mit dem Unterschied , dass diesmal das Problem nicht am Fehlen neuer Filme sondern an den harten wirtschaftlichen Bedingungen liegt, die die Filmproduktion behindern.

Es besteht große Unklarheit darüber, wie die Filmindustrie die Corona-Krise heil überstehen kann. Von Tag zu Tag wird jedoch immer deutlicher, dass Hollywood nach Corona nicht mehr wie früher sein wird. Ähnlich  wie die Spanische Grippe  schließlich zur Bildung eines Systems mit kleinen Filmunternehmen und unabhängigen Filmstudios in der Hollywoodwelt führte,  bewirkt auch Covid 19 einen Neuaufbau  in Hollywood  und wird den zuvor begonnenen Prozess der Digitalisierung und einer Umstrukturierung  dieser Industrie beschleunigen.“

Der Ex-Vorsitzende der Sony Pictures Company, Peter Guber, meinte zum Thema: „Ich denke nicht dass die Situation wieder wie vorher sein wird. Es wird ein neues System von Studios gebildet werden und anstelle von  Metro Goldwyn Mayer  (MGM) und Fox Disney  usw.   werden Plattformen wie Disney Plus, Amazon, Apple, Netflix und HBOMax  treten.“

Christ Aronson, Vertriebsleiter der Paramount Pictures Company, sagt ebenso: Alle Veränderungen, die wir jetzt in der Filmindustrie erleben, sollten ohnehin eintreten, aber sie werden nun schneller als auf natürlichem Wege abgeschlossen sein.“ 

 

 

Der unabhängige Filmemacher Ira Deutchman, Hochschullehrer an der Columbia-Universität, sagt: „Die Sache ist komplizierter als man denkt. Schon seit langem war  eine Änderung bei der Art der Produktion und dem Vertrieb von Filmen notwendig, insbesondere auf der Ebene der Filmstudios.  Wir hoffen, dass die jetzigen Bedingungen die Voraussetzungen für einen solchen Wandel schaffen. Wenn die Bevölkerung dies hört, denkt sie, die Pandemie hätte dem Kino den letzten Rest gegeben hat und diese Industrie sei tot. Nach meiner Meinung ist das jedoch Unsinn.“ 

Wenn auch einerseits  der internationale Filmhandel wegen Corona zurückgegangen ist, so haben sich aber also nach Ansichten von Fachleuten nach Beginn der Pandemie Prozesse, die vorher bereits in Gang gesetzt wurden, beschleunigt. Wie zum Beispiel das Streaming oder das so genannte VOD – Video On Demand. 

Sie können sich vorstellen, dass die Produktion von Filmen in großen Studios grundlegende Unterschiede zu der Filmproduktion von VOD aufweist.  Die Studioproduzenten holen Filmstars heran und um möglichst viel Publikum für ihren Film zu gewinnen, sind sie bestrebt kostspielige oder zumindest kostspielig erscheinende Filmprojekte zu verwirklichen.  Aber VOD erfordert weder den roten Teppich noch große Werbeplakate in den Städten und Vorführungen in Kaufzentren. Der Kostenaufwand ist für die Produzenten geringer, zumal sich in der Regel hohe Gagen für berühmte Filmstars erübrigen.   

 

                           

 

Was ist Video on Demand ? VOD ist ein Bündel von Dienstleistungen, welches über IPTV im Internet angeboten wird. Die Anwender können sich auf diese Weise Filme und Fernsehserien, Dokumentationen und Lehrprogramme im Internet anschauen, und zwar auch außerhalb des Zeitpunktes der Ausstrahlung. Wo traditionelle Sendekanäle und Medien die Verbraucher dazu zwangen, Inhalte nach ihrem Zeitplan anzusehen, ermöglicht das VOD-Streaming dem Publikum, in aller Ruhe und von jedem kompatiblen Gerät aus auf Videos zuzugreifen. Der Vorzug des  Life-Streaming besteht allerdings darin, dass Programme in Echtzeit ausgestrahlt werden.

Die meisten Anbieter von Kabelfernsehen haben auch VOD-stream in ihrem Angebot, und sowohl kostenlose als auch pay per view-Inhalte. Auch über bestimmte Applikationen kann man Videos on Demand benutzen und einige Fluggesellschaften bieten unterwegs VOD zur Unterhaltung an.

Bei einigen VOD-Diensten zahlt man einen monatlichen Benutzungsbeitrag. Andere ermöglichen den Zugang an VOD durch Werbeinhalte. Hier bezahlt der Anwender nichts und die Plattformen beziehen ihre Einkünfte aus der Werbung.

Es kann passieren, dass die Kinowelt wegen dem Video-on-Demand Service Verluste einstecken muss, weil die Verbraucher kein Geld mehr für Kinobesuche vorsehen. Die Gegner von VOD sagen daher, dass sich dieser Service negativ auf den Filmvertrieb und die Finanzlage dieser Industrie auswirken wird.  

Vor Ausbruch von Corona hatte das VOD-System in einigen Ländern bereits zunehmend die Filmvorstellung im Kino aus ihrer Position verdrängt, und während der Pandemie geschah dies mit zunehmenden Tempo. Die Zukunft wird zeigen inwieweit das allgemeine Interesse an dieser Art von Filmgenuss  für die Filmindustrie förderlich ist oder ob sie diese an den Rand zum Absturz verdrängt.

 

Die Filmindustrie bereitet sich im laufenden Jahr auf  einen Neubeginn nach Corona vor. In dieser neuen Ära müssen grundlegende Änderungen bei der Produktion und der Vorführung von Filmen vorgenommen werden. Aber Hollywood wird bis zur Rückkehr zu den Kassenschlagern einen langen schweren Weg vor sich haben. Es muss eine Lösung für Probleme wie die Finanzkrise der Kinosäle und für die Änderung der Produktionsmethoden in den Filmstudios gefunden werden, um neue Hoffnungen schöpfen zu können.

Die Wiedereröffnung der Kinos bedeutet noch keinen neuen Aufschwung. Dieser wird nicht so schnell eintreten und die Besorgnis hinsichtlich der Filmindustrie ist nur natürlich. Viele sind aber noch optimistisch  und betrachten die Plattformen für online Filmvorführung noch nicht als  ernsthaften Konkurrenten des Kinos.

Alle in der Filmbranche Tätigen hoffen, dass die Kinoliebhaber diese Industrie  am Leben erhalten und es den Kinobetreibern gelingen wird, das Publikum wieder anzuziehen.

 

Andere denken, dass alle Probleme für diese Kunst und Kultur-Industrie auf die Pandemie zurückgehen und dieser Sektor sich nicht mehr erholen wird. Es ist offensichtlich, dass sich das Kino überall auf der Welt einer großen Krise gegenübersieht und es noch zu früh für Zukunftsprognosen ist.  Die Kinobetreiber sind davon überzeugt, dass sich im Jahre 2022 zeigen wird,  ob das Kino wieder zu früheren Erfolgszeiten zurückgelangen kann oder nicht.

 

 

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